Methode Risiken vergleichen

Überschuldung, Gepäck beschädigt oder Arbeitsunfall – Was passiert eher?

Herausforderung Risikokompetenz

Verbesserung der Risikoeinschätzungen von Verbrauchern.


Warum ist es relevant, die Risikoeinschätzungen von Verbrauchern zu verbessern?

Wunsch und Ziel ist, dass der Verbraucher bessere Entscheidungen trifft. Vor allem wenn diese Entscheidungen bestimmte Lebensrisiken betreffen, sollte man nicht nur Wissen über die Zusammenhänge hinter dem Risiko haben, sondern auch ein Verständnis davon, wie wahrscheinlich das Risiko überhaupt eintritt. 

Viele Menschen neigen jedoch bei bestimmten Risiken dazu, deren Eintreten zu überschätzen, z.B. katastrophale Ereignisse wie Flugzeugabstürze. Daraus können falsche Schlussfolgerungen gezogen werden, die viel mehr Risiko bedeuten: Wenn man für die Flugstrecke ersatzweise aufs Auto umsteigt, erhöht sich das Risiko, tödlich zu verunglücken.

Bei sich sehr langsam entwickelnden, aber häufiger eintretenden Risiken wird ihr Eintreten hingegen oft unterschätzt, z.B. Diabetes Typ 2. Dann werden die richtigen Schlüsse oft einfach nicht gezogen, um das Risiko zu senken, indem man an Risikofaktoren arbeitet: z.B. sich tatsächlich mehr zu bewegen.


Warum ist es schwierig, die Risikoeinschätzungen von Verbrauchern zu verbessern?

Möchte man die Risikoeinschätzungen von Verbrauchern verbessern, steht man vor einer Reihe an Herausforderungen:

  • Wie können Eintrittswahrscheinlichkeiten vermittelt werden, dass sie zu einer realistischeren Wahrnehmung der Risiken und somit Einschätzung ihres Eintretens führen?
  • Wie können gerade unterschätzte und überschätzte Ereignisse so vermittelt werden, dass ihr Eintreten realistischer eingeschätzt wird?
  • Wie weckt man das Interesse an der Auseinandersetzung mit Risikostatistiken?
     
Welcher wissenschaftliche Lösungsansatz bietet sich an?

Das Interesse an der Auseinandersetzung mit Statistiken lässt sich über die persönliche Einbeziehung des Lernenden wecken, indem er seine eigene Risikoeinschätzung auf den Prüfstand stellen kann. In Form von paarweisen Vergleichsaufgaben kann er, ohne eine konkrete Zahl schätzen zu müssen, sein Bauchgefühl walten lassen. Durch Rückmeldung lernt er, wann er richtigliegt. Paarweise Vergleiche von Sachverhalten können zudem Schlussfolgerungen anregen, die sich auf dritte Sachverhalte übertragen lassen (Alfieri et al., 2013): z.B. wenn der Lernende darüber nachzudenkt, was zwei Risiken gemeinsam haben und was sie unterscheidet. Was explizit gegebene Eigenschaften von zwei Entscheidungsoptionen bedeuten, lässt sich beispielsweise durch paarweise Vergleiche besser als einzeln lernen (Pachur & Olsson, 2012). Ob der dafür gezeigte Mechanismus, Eigenschaften zu vergleichen, ebenso gut wirkt, wenn man sich die Eigenschaften nur vorstellt (man könnte z.B. daran denken, dass ein Risiko menschengemacht ist, das andere aber natürlich), bleibt offen.

Interaktivität kann eingesetzt werden, um das Interesse aufrechtzuerhalten. Dies sollte, wie hier, sparsam, gezielt und stimmig mit der notwendigen Bedienung sowie dem Inhalt sein. Da es sich um spielerisches Lernen aus dem Erwachsenenbereich handelt (Barth, 2018), lässt sich dieses Interesse bei bestimmten Lernenden durch eine Ansprache des Machtmotivs (Wettbewerb, Status) noch verstärken (Sailer et al., 2014): die eigene Fähigkeit der Risikoeinschätzung mit anderen zu vergleichen. Das reduzierte Design verzichtet darauf, weitere, das Interesse durchaus motivierende Details zu präsentieren. Diese könnten dem eigentlichen Ziel zuwiderlaufen, gerade wenn sie sich nicht stimmig in den Inhalt einfügen, gar ablenken oder einfach zu Verwirrung führen (Eitel & Kühl, 2019).

Eintrittswahrscheinlichkeiten werden beim Risikovergleich in einfachen Häufigkeiten mit der Referenzgruppe 100.000 kommuniziert. Vor allem Eintrittswahrscheinlichkeiten seltener Ereignisse lassen sich so verständlicher kommunizieren als Prozentangaben. Visuelle Ansätze wie Icon Arrays könnten diese Vergleiche weiter erleichtern, viele Risiken weisen jedoch eine zu geringe Eintrittswahrscheinlichkeit auf, um auf einem kleinen Display erkennbar zu sein.

Belege für die Wirksamkeit

Vergleiche von unsicheren Ereignissen hinsichtlich ihres Eintretens können das Verständnis dazu verbessern. Unsere Studien zeigen, dass dies auch der spielerische Ansatz durch persönliche Einschätzung mit sozialer Rückmeldung („Wie oft gaben andere eine korrekte Antwort?“) im Vergleich zu Tabellen leistet.
 

Literaturempfehlungen zu den methodischen Grundlagen
  • Alfieri, L., Nokes-Malach, T. J., & Schunn, C. D. (2013). Learning through case comparisons: A meta-analytic review. Educational Psychologist, 48(2), 87–113.
  • Barth, R. (2018). Möglichkeiten der Nutzung von Game Design Prinzipien in der Erwachsenenbildung. digital. innovativ|# digiPH, 109–118. 
  • Eitel, A., & Kühl, T. (2019). Harmful or helpful to learning? The impact of seductive details on learning and instruction. Applied Cognitive Psychology, 33(1), 3–8.
  • Pachur, T., & Olsson, H. (2012). Type of learning task impacts performance and strategy selection in decision making. Cognitive Psychology, 65(2), 207–240.
  • Sailer, M., Hense, J., Mandl, J., & Klevers, M. (2014). Psychological perspectives on motivation through gamification. Interaction Design and Architecture Journal, (19), 28–37.
Wie können Sie die Methode übernehmen?

Wenn Sie ein Verbraucherthema von unserer Internetseite übernehmen möchten, können Sie das über die folgenden drei Wege tun: 

1. Weg: Sie können die vorliegende Visualisierung einbinden

Es besteht die Möglichkeit, die Visualisierung von unserer Website samt Rahmentext über iframe einzubinden. Hierfür übernehmen Sie folgenden html-Code für Ihre Webseite: <iframe frameborder="0" height="650px" src="https://static.risikoatlas.de/modules/module01/index.html" width="1024px"></iframe>

Sie ist auch für mobile Endgeräte optimiert, sodass Sie sie in eine mobile Internetseite einbinden können.

2. Weg: Sie können die vorliegende Visualisierung adaptieren

Sollten Sie als Multiplikator Ihre eigenen Daten nutzen, können Ihre Webentwickler diese in Ihren eigenen Risikovergleich einpflegen.

Wir stellen Ihnen den dokumentierten Code für den Verantwortlichen Ihrer Webseite zum Download über github bereit. Sie können das Material dann editieren. Den Link zum Repository finden Sie demnächst hier.

3. Weg: Sie können das wissenschaftliche Prinzip unabhängig anwenden

Wenn Sie hierbei Unterstützung benötigen, konsultieren Sie bitte den Abschlussbericht zum RisikoAtlas-Projekt ab Juli 2020 oder richten Sie eine Anfrage an uns. Die Kontaktdaten finden Sie im Reiter Kontakt.

Wir bitten darum, bei der Nutzung der Instrumente den Zuwendungsgeber, das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, sowie das Harding-Zentrum für Risikokompetenz als verantwortliche Entwickler zu erwähnen.

Die Logos zum Download finden Sie hier.
 

Links zu weiteren Methoden
Visualisierung mit Rahmentext

Überschuldung, Gepäck beschädigt oder Arbeitsunfall – Was passiert eher?

Der Zeitungskiosk um die Ecke wirbt mit den 12 Millionen Euro, die im Lotto-Jackpot schlummern. Und auch wenn Sie schon mal irgendwo gehört haben, dass ein Sechser im Lotto unwahrscheinlicher als ein Flugzeugabsturz ist, machen Sie Ihre Kreuzchen und warten voller Hoffnung auf die nächste Ziehung. Und natürlich gehen Sie leer aus. Damit sind Sie übrigens nicht alleine: So wie Ihnen geht es im Schnitt 9 von 10 Personen, die in Glücksspiele investieren. Und wenn man dann doch einmal etwas gewinnt, ist der Betrag meist verschwindend gering. 
Wir tendieren gleichzeitig dazu, eintretende Ereignisse zu unter-, aber auch zu überschätzen – z.B. weil ihre mediale Aufmerksamkeit oder die schwerwiegenden Auswirkungen uns vergessen lassen, wie selten sie passieren. Um das zu vermeiden und eine realistischere Einschätzung von Verbraucherrisiken zu erlangen, lohnt sich die Bearbeitung unseres Risikovergleichs. 

Wann brauche ich die Visualisierung?

Der Risikovergleich beeinflusst Ihre Wahrnehmung von Risiken und soll dazu dienen, Ihre Risikoeinschätzung zu verbessern. Durch eine verbesserte Risikoeinschätzung ist es Ihnen möglich, zukünftige Entscheidungen auf einer realitätsgetreueren Basis zu treffen. Der Risikovergleich dient nicht dazu, Sie bei einer konkreten Entscheidungsfindung zu unterstützen.

Was zeigt die Visualisierung?

Die Visualisierung stellt zufällig ausgewählte Risiken hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit ihres Eintretens binnen eines Jahres gegenüber. Sie führt Sie dabei an der Hand von Vergleich zu Vergleich. Zwei Risiken stehen immer gegeneinander. Sie entscheiden, was wahrscheinlicher ist, und Sie lösen es auf, wenn Sie bereit sind. Das Risiko, welches wahrscheinlicher eintritt, ist grün gefärbt. Zusätzlich erhalten Sie noch eine laufende Rückmeldung, wie viele aller Vergleiche Sie und andere korrekt entschieden haben. Das Häufigkeitsformat mit je 100.000 als Referenzgruppe und die Angabe der absoluten Zahlen soll die Verwendung von kleineren Prozentzahlen vermeiden, da Prozentangaben von Eintrittswahrscheinlichkeiten seltener Ereignisse (<1%) von einem großen Teil der Menschen falsch eingeschätzt werden. 
 

Quelle und Qualität der Daten
  • Bach et al, 2014. DIW.
  • BKA Bundeslagebild 2017.
  • http://appsso.eurostat.ec.europa.eu/
  • http://comms.sita.aero/rs/089-zse-857/images/baggage-report-2017.pdf
  • http://now.symassets.com/content/dam/norton/global/pdfs/norton_cybersecurity_insights/DE_NCSIR_2017.pdf
  • https://de.reuters.com/article/deutschland-hacker-umfrage-idDEKCN1P3123
  • https://de.statista.com/statistik/daten/studie/150565/umfrage/privatinsolvenzen-in-deutschland-seit-2000/
  • https://lssh.de/wp-content/uploads/2018/07/Zusammenfassung-der-BZgA-Studie-Gl%C3%BCcksspielverhalten-und-Gl%C3%BCcksspielsucht-in-Deutschland.-Ergebnisse-des-Surveys-2017-und-Trends.pdf 
  • https://reklamation.com/statistik/
  • https://rp-online.de/politik/deutschland/7-6-millionen-menschen-erhalten-mindestsicherung_aid-33912859
  • https://wiwi.hs-duesseldorf.de/personen/nikola.ziehe/Documents/Kraemer%20Kalka%20Ziehe%20-%20Personalisiertes%20und%20dynamisches%20Pricing%20aus%20Einzelhandels-%20und%20Verbrauchersicht%20261110F.pdf
  • https://www.ages.at/fileadmin/AGES2015/Themen/Lebensmittel_Dateien/Lebensmittelsicherheit_und_Hygiene_im_Privathaushalt_13_12_2013.pdf
  • https://www.berlin-suchtpraevention.de/wp-content/uploads/2016/10/2015_BZgA_Ergebnisbericht_Glcksspielsucht.pdf 
  • https://www.bfach.de/media/file/24871.Marktstudie_2018_Konsum-Kfz-Finanzierung_BFACH.pdf
  • https://www.bfr.bund.de/cm/350/verbrauchertipps_schutz_vor_lebensmittelinfektionen_im_privathaushalt.pdf
  • https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Jeder-zweite-Internetnutzer-von-Cyberkriminalitaet-betroffen
  • https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2017/28122017_Telekommunikation.html
  • https://www.creditreform.de/fileadmin/user_upload/crefo/download_de/news_termine/wirtschaftsforschung/schuldneratlas/Analyse_SchuldnerAtlas_2018.pdf
  • https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2016/07/PD16_243_122.html
  • https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/EinkommenKonsumLebensbedingungen/Ueberschuldung/EVS_GeldImmobilienvermoegenSchulden2152602139004.pdf?__blob=publicationFile 
  • https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/EinkommenKonsumLebensbedingungen/LebensbedingungenArmutsgefaehrdung/Tabellen/Eurostat_MaterielleEntbehrung_SILC.html
  • https://www.focus.de/finanzen/news/2-2-millionen-euro-schaden-wieder-mehr-betrug-mit-bankkarten-branche-ohne-sorge_id_8294582.html
  • https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=2&ved=2ahUKEwj59o6a3pffAhUQp4sKHTghB0AQFjABegQICBAC&url=https%3A%2F%2Fwww.presseportal.de%2Fdownload%2Fdocument%2F312756-umfrageergebnisse-dispo-nutzung-2015.pdf&usg=AOvVaw29t51ca1TN77Eh8-BRGgkP
  • https://www.marktwaechter.de/sites/default/files/downloads/schadensfaelle-auf-dem-grauen-kapitalmarkt.pdf
  • https://www.pwc.de/de/handel-und-konsumguter/assets/cyber-security-identitaetsdiebstahl-2016.pdf
  • https://www.reisereporter.de/artikel/1947-flugausfaelle-flugverspaetung-taeglich-69-faelle-probleme-mit-fluegen
  • https://www.schlichtungsstelle-energie.de/presse/presseartikel/taetigkeitsbericht-der-schlichtungsstelle-energie-39.html;  Bericht der Bundesnetzagentur 2017
  • https://www.uni-trier.de/fileadmin/fb4/prof/VWL/OAR/Hornuf_Schmitt_-_Success_and_Failure_in_Equity_Crowdfunding.pdf
  • https://www.zugreiseblog.de/bahn-puenktlichkeit-statistik/
  • Schufa-Report 2018.
  • Schufa-Report 2018.
  • Statistisches Jahrbuch der Versicherungswirtschaft.
  • VATM_TK-Marktstudie-2018_091018_f
  • Zusammenfassung-der-BZgA-Studie-Glücksspielverhalten-und-Glücksspielsucht-in-Deutschland.-Ergebnisse-des-Surveys-2017-und-Trends

Wie hoch ist die Qualität der Daten?

Die Zahlen und Daten, die der Risikovergleich beinhaltet, stammen aus verschiedenen Quellen, so z.B. Häufigkeitsbeobachtungen öffentlicher Verzeichnisse, Befragungen, Bevölkerungsstudien oder Modellierungen. Die meisten dieser Risikoschätzungen zeichnen sich durch relativ niedrige Evidenzqualität aus. Dies bedeutet, dass zukünftige Messungen wahrscheinlich zu anderen Ergebnissen führen werden. 
Dies hat mehrere Ursachen: 1) Es fehlen randomisierte kontrollierte Studien, welche das Handeln und Nichthandeln als Verbraucher miteinander vergleichen und so belegen könnten, dass bestimmte Ereignisse von diesen Handlungen hervorgerufen werden. 2) Die Erfassung des Vorkommens von Verbraucherereignissen in Deutschland beruht zu wenig auf qualitativen systematischen Bevölkerungsstudien, sondern es werden vorrangig Betroffenenzahlen erfasst. 3) Erfassungen von Verbraucherrisiken unterliegen auch immer Interessenskonflikten bzw. Eigeninteressen. Diese könnten die Aussagekraft von Daten, diese Ereignisse betreffend, schwächen und werden zu wenig institutionell reflektiert bzw. bewertet. 

Zur empirischen Evaluation mit Verbrauchern

Alle Forschungsergebnisse zu den Grundlagen und zur Wirksamkeit der RisikoAtlas-Werkzeuge bezüglich Kompetenzförderung, Informationssuche und Risikokommunikation werden mit dem Projekt-Forschungsbericht am 30. Juni 2020 veröffentlicht. Bei vorausgehendem Interesse sprechen Sie uns bitte direkt an (Felix Rebitschek, rebitschek@mpib-berlin.mpg.de).

Datum der letzten Aktualisierung: 27. November 2019

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